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Konjunkturprognosen – Text
Modul 1 D Konjunkturprognosen
Übung 1a
Lesen Sie den Text. Welche Sätze passen in die Lücken 1-5. Ein Satz passt nicht.
Es gibt drei Arten von Lügen: Lügen, verdammte Lügen, und Statistiken.
– Benjamin Disraeli, britischer Premierminister im 19. Jhd., nach Mark Twain
  • Eine Konjunkturprognose ist, wie jede Aussage über die Zukunft, ungewiss.
  • Und Börsen reagieren bekanntermaßen ja stets neben wirklichen Ereignissen auch auf Meinungen.
  • Alles darüber hinaus sind langfristige Prognosen zum Wachstum und generellen strukturellen Entwicklungen, die zunehmend unsicherer werden.
  • Wie oben erwähnt ist die Konjunktur das Ergebnis vieler individueller Entscheidungen.
  • Diese Schätzungen werden für vergangene Jahre immer wieder revidiert, je mehr Daten dazu zur Verfügung stehen.
  • Im besten Fall können sie Aussagen über kurzfristige Trends machen; genaue Zahlen jedoch treffen sie eher zufällig.

Sehr hilfreich im Umgang mit der Konjunktur wäre es zu wissen, wohin sie sich in nächster Zeit bewegt. Würden wir z. B. wissen, ob die Wirtschaftsleistung weiter steigt, könnten wir auf steigende Aktienmärkte setzen und Aktien kaufen, Politiker würden in der Haushaltsplanung höhere Steuereinnahmen berücksichtigen, und so weiter. Das Problem ist: Die Probleme fangen bereits in der bloßen Feststellung an, wo wir uns aktuell in der Konjunktur befinden. Wirtschaftsdaten müssen erst gesammelt, aufgearbeitet und normiert werden, was bedeutet, dass wir erst dann erste Schätzungen zur Konjunktur haben, wenn schon einige Monate des entsprechenden Jahres vergangen sind.

Dies gilt auch für die Konjunkturprognosen der großen Forschungsinstitute, Zentralbanken, aber auch privater Finanzinstitute und Verbände. Für die Ermittlung der aktuellsten Daten und Prognosen bedienen sich die Forscher der Umfragen bei Unternehmen und Wirtschaftsverbänden, sowie mathematischer Methoden der Statistik. Umfrageergebnisse zu Stimmungen und Konjunkturmeinungen werden dann in Konjunkturindizes (manchmal auch „Konjunkturbarometer“) numerisch umgesetzt, so z. B. durch das ifo-Institut in München oder das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, die monatlich Berichte zur aktuellen Konjunkturlage und zu kurzfristigen Trends veröffentlichen.

Konjunkturprognosen haben meistens einen Horizont von höchstens zwei Jahren. Zu dieser Kategorie gehören dann beispielsweise Aussagen zur demographischen Entwicklung bis 2050.

Letzten Endes sind Konjunkturprognosen zwar begrenzte, aber häufig durchaus hilfreiche Mittel zur Orientierung in der Wirtschaftspolitik und Konjunkturforschung. Oft reicht es eben schon zu wissen, ob die Konjunktur weiter expandiert oder aber eine Rezession droht, so dass entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können, von Seiten der Wirtschaftspolitik bis hin zur privaten Anlageentscheidung und Unternehmensstrategien. Konjunkturprognosen – selbst wenn sie falsch liegen – können damit in einer Art „selbst erfüllender Prophezeiung“ dann genau die Konjunkturwirkung auslösen, die sie erwarten.

Von Philipp Paulus (02.04.2007) in: Dossier Wirtschaft der BPB, (Abgerufen am: 02.05.2018)